Mittwoch, Dezember 14, 2005
Virus Top 10
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Mittwoch, Dezember 14, 2005
Die Bedrohung der nächsten Jahre

Prognosen gehen davon aus, dass bereits in einigen Jahren jede zehnte E-Mail Viren oder Würmer enthalten wird.

Mangelnde Pflege der eingesetzten Betriebssysteme oder Anwendungssoftware sowie ein nicht ausreichender Schutz vor diesen Bedrohungen bewirkt oftmals Schäden in überraschenden Größenordnungen
Mittwoch, Dezember 14, 2005
Viren, Würmer, Trojaner & Co

Definition:
Viren
Würmer
Trojaner
Geschichte der Viren

Virenschutz

 


Definition:
Viren
Würmer
Trojaner
Geschichte der Viren

Virenschutz
 


Viren:
Computerviren verbreiten sich schnell und bedienen sich dabei einer Wirtsdatei. Da sie nicht in Dateien enthalten sein müssen, die ausführbar sind (.exe-Dateien) halten viele Nutzer sie für vertrauenswürdig.
Viren!

Was ist ein Computervirus?
Prof. Dr. Fred Cohen, der eigentliche "Erfinder" des Computervirus (s. "Geschichte der Computerviren"), definierte ihn einmal so:

Ein Computervirus ist ein Programm, das andere infizieren und verändern kann, um möglicherweise veränderte Versionen von sich selbst hinzuzufügen.

Die heute übliche Definition lautet:

Ein Computer-Virus ist eine nicht selbständige Programmroutine, die sich selbst reproduziert und dadurch vom Anwender nicht kontrollierbare Manipulationen in Systembereichen, an anderen Programmen oder deren Umgebung vornimmt.

Ein Computervirus ist also - genau genommen - noch nicht einmal ein eigenständiges Programm, sondern eine Abfolge von aneinandergereihten Zeichen, die für sich genommen nicht ausführbar sein müssen. Im Gegensatz zu Würmern und Trojanern (siehe Kapitel "Würmer" und "Trojaner"), die "echte" Programme (z.B. .exe-Dateien) sind, können Sie einen Virus im Dateimanager nicht aufspüren.

Der Quellcode eines Virus kann nur eine Zeile lang sein (siehe den "Eicar- Testvirus") oder er kann viele Seiten füllen. Es liegt ganz in der Fantasie und im Können des Virenprogrammierers, welche Schadroutinen er dem Quellcode des Virus hinzufügt.

Damit ein Virenangriff aber überhaupt stattfinden kann, benötigt das angreifende Programm zunächst einmal in irgendeiner Art Zugang zu Ihrem PC - entweder über eine Netzwerk- oder Telefonverbindung oder über Datenträger, wie Disketten oder CD-ROMs.

Zur Verbreitung bedient sich der Virus in aller Regel eines Wirtsprogramms oder einer Wirtsdatei. Dazu setzt er eine winzige Sprunganweisung (einen "Zeiger") an den Beginn des Wirts (4 Byte reichen dazu) und platziert sich dann am Ende des Wirtsprogramms. Die vom Originalprogramm abgetrennten Bytes werden hinter den Virencode geschrieben und die internen Adressen angepasst, so dass das Programm komplett bleibt und weiterhin ausgeführt werden kann. Gleichzeitig wird innerhalb des Zeigers ein Hinweis platziert, der das Programm als infiziert markiert.

Einfacher gestrickte Viren überschreiben auch schon mal Teile des Wirtsprogramms. Bei moderneren Viren sollte das nicht mehr vorkommen, denn die Gefahr der vorzeitigen Entdeckung wäre dabei zu hoch.

Sobald das infizierte Programm gestartet wird, sorgt der Zeiger dafür, dass zunächst der Virus und dann erst das Programm aktiv wird. Nun durchsucht der Virus die Festplatte nach Programmen oder Dateien, die noch nicht befallen sind (an deren Beginn also die entsprechende Markierung fehlt), und platziert dann Reproduktionen von sich selbst in ihnen - einschließlich der eigentlichen Schadroutine (dem sog."Payload"). Er "vermehrt" sich wie ein Grippevirus (daher die Analogie).

Computerviren entstehen aber nicht spontan, oder sind sonstwie biologischen Ursprunges, sie werden programmiert und verfolgen oftmals auch noch einen bestimmten Zweck - aus Sicht der Programmierer zumindest.

Welche Virenformen gibt es eigentlich?
Computer-Viren lassen sich nach der Art ihrer Verbreitung schon einmal grob in drei Hauptkategorien unterteilen:

Boot-Viren: setzen sich in dem Bereich einer Festplatte oder Diskette fest, der beim Starten eines Computers in den Arbeitsspeicher gelesen wird. Wenn der Prozessor ein Betriebssystem von der Festplatte lädt, egal ob Warm-Start oder Kalt-Start, lädt er deshalb automatisch den Virus. Der erlangt so die Kontrolle über den Rechner.

Datei-Viren: infizieren Programmdateien, wie beispielsweise Betriebssysteme oder Spiele. Wenn der Anwender die befallene Datei startet, infiziert der Virus weitere Dateien und pflanzt sich so fort.

Makro-Viren: können sich auch unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem fortpflanzen und sind relativ einfach zu programmieren. Makro-Viren haben sich in den letzten Jahren durch den zunehmenden Datenaustausch per E-Mail und die Nutzung des Internets schlagartig vermehrt.

Wie kommt der Virus zum Wirtstier?
Die überwiegende Anzahl der Viren kommen per E-Mail zu Ihrem PC.
Immer weniger Viren gelangen über Diskette oder CD-ROM auf den Computer. Dabei sind auch kommerzielle CD-ROMs nicht grundsätzlich virenfrei - auch auf ihnen können sich infizierte Dateien befinden.
Die meisten Infektionen entstehen durch E-Mail-Würmer. Große Verbreitung finden auch Makro-Viren - vorzugsweise in Office-Dokumenten. Nur wenige werden durch Boot- oder Datei-Viren verursacht. Je höher also die Anzahl der PCs und je mehr davon vernetzt sind, desto schneller können sich Computer-Viren ausbreiten. Da viele Dokumente als Anhang mit einer E-Mail verschickt werden, ist die großflächige Streuung der Viren zunehmend einfacher und deshalb tendenziell steigend.

Das Internet ist für Viren auch deshalb attraktiv, weil es weltumspannend ist. Es bietet viele potentielle Infektionsopfer. Außerdem ist das Internet weitgehend unkontrolliert. Programme, die Viren enthalten, können leicht verbreitet werden. Die Viren-Autoren bleiben darüber hinaus noch weitgehend anonym, so dass es schwer ist, diese zu bestrafen.

Dem nicht genug: Seit 1991 existieren Baukästen für die Programmierung von Viren, so genannte Virus Construction Kits. Damit kann jeder - auch ohne Fach - oder Programmierkenntnisse - Computer-Viren basteln und in Umlauf bringen.

Wie infiziert sich ein PC? Es gibt drei Infektionsarten:

über das Booten
beim Ausführen eines Programmes (*.exe, *.com, usw.)
über infizierte Dokumente
Die Infektionsarten unterscheiden sich in der Art, wie ein Virus sich in einem Programm festsetzt. Beispielsweise hängen viele Viren ihren eigenen Programmcode an das Ende einer ausführbaren Datei und setzen am Anfang einen Zeiger auf diesen Code. Wird das Programm gestartet, springt es vor der Ausführung seiner eigentlichen Aufgaben zuerst auf das Virusprogramm. Ist dieses ausgeführt, springt es wieder an die Stelle zurück, an der der Ablauf ursprünglich unterbrochen wurde. Sie merken dann nicht einmal, dass sich das Aufrufen des Programms minimal verzögert hat. Rufen Sie das Programm jetzt auf, startet zuerst der Virus. Er sucht von diesem Moment an nach nicht infizierten, ausführbaren Dateien, um diese auch noch zu befallen.
Wie sind Computerviren aufgebaut?

Ein Virus besteht in der Regel aus drei Programmteilen:

Mit dem Erkennungsteil stellt der Virus fest, ob die Datei bereits befallen ist. Hierdurch werden unnötige Mehrfachinfektionen vermieden. Der Virus erhöht so seine eigene Ausbreitungsgeschwindigkeit und wird nicht so schnell erkannt.
Der Infektionsteil wählt ein Programm aus und fügt den Programmcode des Virus ein. Das ausgewählte Programm ist nun infiziert und kann von da an selbst bei einem Aufruf weitere Programme infizieren.
Der Funktionsteil legt fest, was im System manipuliert werden soll. Um möglichst nicht gleich entdeckt zu werden, sind in vielen Viren sogenannte "Trigger" eingebaut: Der Virus wird erst aktiv, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt, zum Beispiel an einem bestimmten Datum oder nach dem x-ten Start eines Programms. Vom einfachen Nichtstun (lediglich Verbreitung) bis zum Löschen der Festplatte ist dabei alles möglich.
 


Würmer:
Auf die Masse ausgelegt: Würmer verbreiten sich rasend schnell und brauchen nicht mal einen Vorwand, damit der Nutzer sie installiert.

Würmer
Bei Würmern heißt es: Masse statt Klasse. Würmer versuchen grundsätzlich, so viele Computer wie möglich zu infizieren. Meist nutzen Sie dabei den äußerst praktischen Weg via E-Mail und verschicken sich selbstständig an alle gefundenen Adressen, die der Nutzer auf seinem Rechner gespeichert hat. Die weltweite Vernetzung macht es Würmern besonders leicht, sich rasend schnell zu verbreiten. Heute sind ca. 400 Millionen Rechner an das Internet angebunden und im Schnitt die Hälfte der Zeit auch wirklich online - also mit dem großen Netzwerk verbunden, wo der Wurm sich nach Belieben ausbreiten kann.

Ein weiterer Vorteil für den Wurm ist die Standarisierung der Software. Gab es noch vor zehn Jahren große Unternehmen, die ihre eigenen Betriebssysteme hatten, so greifen nun viele auf Microsoft zurück. Mit dem Ergebnis, dass für ein Standardsystem auch besser ein Standardwurm programmiert werden kann.

Im Gegensatz zu Viren und Trojanern infizieren die Würmer keinen "fremden" Code, um sich fortzupflanzen, sondern sind auf eine eigenständige Verbreitung ausgelegt.

Da Würmer zur Vermehrung kein Hostprogramm und keine Hostdatei benötigen, können sie sich in Ihrem System niederlassen und einer fremden Person die Remotesteuerung Ihres Computers ermöglichen. Der kürzlich in Umlauf gebrachte Wurm MyDoom war dafür vorgesehen, Systeme zu infizieren, die wiederum Websites angreifen.

So kommt ein Wurm auf Ihren PC
Würmer nutzen meist (bekannte) Sicherheitslücken, besonders auf den weitverbreiteten Windows-Systemen. So kann sich ein Wurm durch den Microsoft Internet Explorer einschleichen oder aber durch eine Outlook-Version. Bei der E-Mail-Variante kann es im Gegensatz zu Trojanern schon beim bloßen Öffnen der E-Mail zu einer Infizierung kommen.
 


Trojaner:
Installiere mich, ich bin ein Geschenk! Dies könnte das Motto dieser durchaus hinterlistigen Schädlinge sein, die eine der größten Gefahren für Ihren Rechner sind!

Trojaner - Der Begriff
Jeder kennt mir Sicherheit die Geschichte des Trojanischen Pferdes: Nach jahrelanger Belagerung von Troja schienen die Griechen endlich abzuziehen. Sie zogen sich tatsächlich in ihr Feldlager zurück - nicht aber, weil sie aufgaben, sondern weil sie ein riesiges hölzernes Pferd gebaut hatten, das sie schließlich vor die Toren von Troja stellten. Die Trojaner, glücklich über das Ende des Krieges hielten das Pferd für ein Geschenk oder dachten, dass es den Griechen wohl zu mühsam war, dies wieder mit in ihre Heimat zu nehmen. So zogen sie es unter großen Mühen in ihre Stadt hinein.
Als dann schließlich die Nacht hereinbrach und die Trojaner müde von Fest und Wein waren, zeigte sich die wahre Gestalt des Pferdes: Im Inneren versteckten sich griechische Krieger, die herausströmten und die Stadttore öffneten. Troja fiel - und das Pferd hätte vermutlich heute noch "Griechisches Pferd" heißen müssen. Dennoch ist es heute in der ganzen Welt als Trojanisches Pferd bekannt und beschreibt die strategische List dieser Zeit.
Auch heute spekulieren die Autoren von Trojanern darauf, dass die PC-Nutzer ihr Programm für ein "Geschenk" halten, das sie sich unbedingt auf dem PC installieren müssen. Ist das Programm installiert und wird ausgeführt, startet möglicherweise die schädliche Funktion - also die gleiche List wie bei den Griechen: Man hat sich das Programm freiwillig auf den Rechner geholt und nun sind die Tore offen für allerlei Übel.

"Absicht" der Trojaner
Trojaner wollen - im Gegensatz zu der Taktik mit dem Holzpferd - auch weiterhin unbemerkt bleiben, wenn sie sich einmal auf einem Computer eingenistet haben. Ziel ist es meist, "sensible Benutzerdaten" auszuspähen. Zu diesen Daten gehört nicht Ihr persönliches Fotoalbum, sondern Passwörter, Kreditkartennummern und ähnlich wichtige Dinge, mit denen der Autor möglicherweise ziemliches Unheil anrichten kann. Selbst wenn Sie Passwörter nicht gespeichert haben, kann ausgelesen werden, welche Tasten Sie auf Ihrer Tastatur drücken und dies wird dann direkt an den Autor übermittelt, der sich damit z.B. direkt in Ihren Mail-Account einloggen, mit Ihrer Kreditkartennummer einkaufen gehen oder sich über Ihren Online-Dienst ins Internet einwählen kann - auf Ihre Kosten versteht sich.

Backdoor-Trojaner
Wahrscheinlich die schlimmste und gefährlichste Form eines Trojaners ist die "Backdoor" - also die Hintertürchen - Version. Ist der Trojaner auf dem Rechner öffnet er bestimmte Ports, durch die der Hacker quasi die gesamte Kontrolle über den Rechner erlangen und alle Funktionen steuern kann. Ein einfaches Formatieren der Platte durch den Hacker wäre mit Sicherheit noch das netteste, was ihm einfallen könnte...



Die Geschichte der Viren
Eine Doktorarbeit und Ihre Folgen
Vor über 20 Jahren, genauer gesagt im Jahr 1983, stellte ein gewisser Fred Cohen im Rahmen seiner Doktorarbeit "Computerviruses - Theory and Experiments" an der Universität von Südkalifornien ein kleines Selbstgeschriebenes Programm vor - und damit gleich den ersten lauffähigen Computer-Virus.

Mit diesem Programm realisierte er, was bis dahin nur als theoretische Möglichkeit galt; nämlich, dass sich ein Computerprogramm tatsächlich selbst reproduzieren kann. Eingesetzt auf einem der damals üblichen UNIX-Systeme bewirkte es zudem, dass jeder Benutzer über Administratorrechte verfügte.

Er könnte damit gewissermaßen als Urvater der digitalen Plage bezeichnet werden, auch wenn seine Arbeit sicher gänzlich im durchweg positiven Dienste der "Computersicherheit" zu verstehen ist - immerhin erörterte er in diesem Werk neben der Darstellung des Bedrohungspotenzials vor allem auch die möglichen Schutzmassnahmen gegen die von ihm herauf beschworene Gefahr durch digitale Schädlinge.

Als Fred Cohens Doktorarbeit im Jahr darauf inklusive Definitionen und Quellcodes veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, gab es kein Halten mehr - zumindest auf Seiten von Programmierern, die seine Erkenntnisse in moralisch fragwürdiger Art und Weise nutzen wollten - und so erst damit anfingen, die von Cohen beforschten "Gefahren" allmählich in die Realität umzusetzen.

Als Cohen drei Jahre später im Rahmen seiner Forschungen zu diesem Gebiet bei der National Science Foundation um Gelder bat, um weiter Gegenmaßnahmen erforschen zu können, wurde er abgewiesen - interessanterweise mit der lapidaren Begründung, seine Forschungsarbeit sei "nicht von aktuellem Interesse". Die ersten Viren waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits im Umlauf, richteten allerdings noch keine großen Schäden an - aus heutiger Sicht würden wir sie eher als Scherzprogramme bezeichnen.



Der Beginn einer Seuche

Im Jahr 1986 tauchte dann der erste "richtige" MS-DOS-Virus auf:

Zwei pakistanische Software-Händler kamen auf die grandiose Geschäftsidee, verseuchte Programme zu verkaufen, um ihre Kundschaft durch die kurz darauf fällig werdende Reparaturleistung an sich zu binden.

Da sie dummerweise im Virencode ihre vollen Namen nannten, kam man ihnen schnell auf die Schliche. Kurioserweise verbreitete sich der "Pakistan-Virus" (auch "Brain" genannt) dennoch bis in die USA. Er war der erste Virus, der "Stealth"-Techniken anwandte.

Im Dezember des gleichen Jahres stellte Ralf Burger vom Chaos- Computer- Club seinen Virus "VIRDEM" vor, der über Bootsektoren von Disketten transportiert wurde. Erstmals wurden auch große Firmen Opfer von Erpressungsversuchen durch die Drohung des Einsatzes von Computerviren.

Der erste Virus, der ein großes Netzwerk lahm legte, war "Christmas Tree".
Er wurde am 9. Dezember 1987 über Rechner einer deutschen Universität eingeschleust und vermehrte sich so rasant, dass das "European Academic Research Network" (EARN) vier Tage später Totalausfall meldete.

Am Freitag, den 13. Mai 1988 schlug der "Jerusalem"-Virus wie eine "Bombe" ein. Er war einer der ersten wirklich bösartigen Viren. Begnügten sich die Schädlinge bisher damit, allein für ihre Verbreitung zu sorgen, Rechnerkapazität zu stehlen oder bestenfalls Meldungen auszugeben, wurde "Jerusalem" programmiert, um Programme und Daten zu zerstören. Er befiehl Computer in den USA, Europa und im mittleren Osten, und kann für sich in Anspruch nehmen, der wohl erste Computervirus zu sein, dem in der Presse weltweit Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Im November 1988 legte "Morris" einige tausend Computersysteme in den USA lahm, darunter Rechner der NASA. Der angerichtete Schaden wurde auf annähernd 100 Millionen Dollar geschätzt.

Im Dezember 1989 kam es zu einem besonders niederträchtigen Vorfall. Ausgerechnet an die Teilnehmer einer internationalen AIDS-Konferenz wurden Disketten mit angeblich wichtigen Informationen zum Thema verteilt. Nachdem die Dateien auf den Computer aufgespielt waren, verschlüsselte der darin enthaltene Virus (perfiderweise "AIDS" genannt) nach dem 90. Hochfahren des Systems alle Dateien auf den Festplatten - bis auf eine: Eine Rechnung mit Überweisungsauftrag über 189 US-Dollar an eine Firma in Panama! Der Autor dieses Virus wurde später zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.


Die 90ger: Vom "Do-it-yourself-kit" bis "Melissa"

Wirklich prekär wurde es, als 1990 mit "Chameleon" der erste polymorphe Virus auftauchte. Diese Virenart verändert sich bei jeder neuen Infektion und ist daher für Virenscanner schwer zu entdecken.

1991 erschienen die ersten der sog. "Construction-Kits". Mit Hilfe dieser Programme kann jeder seine eigenen Viren erstellen, ohne auch nur eine Zeile programmieren zu müssen. Durch sie stieg die Zahl der freigesetzten Viren weiter rasant an. Diese eher "primitiven" Viren werden von den heutigen Scannern allerdings problemlos erkannt und entfernt.

Mit "Concept" begann 1995 die Ära der Makro-Viren. Er befiel Dokumente, die mit "Microsoft Word" erstellt wurden. Wenige Monate später gab es auch einen "Excel"-Virus ("Laroux").

Das Jahr 1998 war eines der "interessantesten" Jahre in der Geschichte der Computerviren. Der erste Virus, der PC-Hardware außer Funktion setzt, der "cih"-Virus (alias "Tschernobyl") wurde in Taiwan entdeckt. Er überschreibt den BIOS-Chip. Er taucht auch heute noch gelegentlich auf. Die Hacker- Gruppe "Cult of the Dead Cow" brachte mit "Back Orifice" einen der ersten modernen Trojaner heraus und die ersten VB-Script-Viren, von denen sich einige sogar in HTML-Dokumenten verstecken können, begannen sich zu verbreiten.

1999 war das "Melissa-Jahr". Er verbreitete sich mit bis dahin für nicht möglich gehaltener Geschwindigkeit rund um die Welt. Schnell fanden sich Nachahmer und der Siegeszug der Internet-Würmer war nun nicht mehr aufzuhalten.

y2k: Hysterie und "I.Love.You"

Zwischendurch gab es auch eine gute Nachricht: Nach dem Jahreswechsel 1999/2000 setzte weltweit Aufatmen ein - die vorhergesagte "Jahr-2000- Katastrophe" blieb aus. Der prophezeite weltweite, apokalyptische Zusammenbruch aller IT-Systeme fand nicht statt.

Dafür kam es in einem anderen Bereich knüppeldick: Der "I-LOVE-YOU"- Wurm (alias VBS.Loverletter) stellte "Melissa" in Geschwindigkeit und Verbreitung locker in den Schatten. Er war sogar das Top-Event in einigen Nachrichtensendungen.

Ihm folgten bis heute viele ähnliche Schädlinge: "Kournikova", "Nacked Wife" (merke: Sex sells), "Nimda", "SirCam" "Badtrans", "Blaster" - und ein Ende ist nicht in Sicht.

Doch auch die Gegenseite blieb - glücklicherweise - nicht untätig.

John McAfee´s Virenscanner erkannte im Jahr 1988 19 Virenarten, ein Jahr später bereits 44 (zum Vergleich: bis Mitte 2002 stieg die Zahl der katalogisierten Viren einschl. Varianten auf über 90.000). Andere, wie die Firma IBM oder die Firma Symantec, kamen hinzu.

Auch die Firma Microsoft rüstete ihr MS-DOS mit einem Anti-Viren- Programm aus, das jedoch ironischerweise durch Viren wie z.B. "Tremor" postwendend wieder "gekillt" wurde.

Heute gibt es eine ganze Reihe wirklich guter Anti- Viren- Software, die den Programmierern von Computer-Viren ihr destruktives Tun immer schwerer macht.
Aber: Sie als Anwender müssen dieses Angebot auch nutzen!


Virenschutz!
Der wichtigste Punkt bei dem Schutz vor Viren & Co ist das umsichtige Verhalten der Anwender. Die meisten Schädlinge erfordern eine Aktion durch den Nutzer und locken mit tollen Angeboten per E-Mail oder durch ein Software-Versprechen, das sich letztendlich als Trojaner herausstellt. So sollten Sie immer nur dann Dateianhänge - gleich welcher Art - öffnen, wenn Ihnen nicht nur der Absender bekannt ist, sondern Sie dies telefonisch oder auf anderem Wege mit dem Absender abgesprochen haben. Denn schließlich kann eine schädliche Datei auf dem Rechner des Absenders auch eine E-Mail abschicken, die mit der Original-Adresse des Absenders versehen ist.
Offensichtlich nicht sinnvolle E-Mails von unbekannten Absendern sofort ungeöffnet löschen.
Bei E-Mail auch von vermeintlich bekannten bzw. vertrauenswürdigen Absendern prüfen, ob der Text der Nachricht auch zum Absender passt (englischer Text von deutschem Partner, zweifelhafter Text oder fehlender Bezug zu konkreten Vorgängen etc.) und ob die Anlage (Attachment) auch erwartet wurde.

Vorsicht bei mehreren E-Mails mit gleichlautendem Betreff.

Kein "Doppelklick" bei ausführbaren Programmen (*.COM, *.EXE) oder Script-Sprachen (*.VBS, *.BAT), Vorsicht auch bei Office-Dateien (*.DOC, *.XLS, *.PPT) sowie Bildschirmschonern (*.SCR).

Auch eine E-Mail im HTML-Format kann aktive Inhalte mit Schadensfunktion enthalten.

Daten und Programme, die aus dem Internet abgerufen werden, stellen einen Hauptverbreitungsweg für Computer-Viren und Trojanische Pferde dar, um Benutzerdaten auszuspähen, weiterzuleiten, zu verändern oder zu löschen. Es muß darauf hingewiesen werden, dass auch Office-Dokumente (Text-, Tabellen- und Präsentations-Dateien) Makro-Viren enthalten können.

Programme sollten nur von vertrauenswürdigen Seiten geladen werden, also insbesondere von den Originalseiten des Erstellers. Private Homepages, die bei anonymen Webspace-Providern eingerichtet werden, stellen hierbei eine besondere Gefahr dar.

Die Angabe der Größe von Dateien, sowie einer evtl. auch angegebenen Prüfsumme, sollte nach einem Download immer überprüft werden. Bei Abweichungen von der vorgegebenen Größe oder Prüfsumme ist zu vermuten, dass unzulässige Veränderungen, meist durch Viren, vorgenommen worden sind. Daher sollten solche Dateien sofort gelöscht werden.

Mit einem aktuellen Viren-Schutzprogramm sollten vor der Installation die Dateien immer überprüft werden.

Gepackte (komprimierte) Dateien sollten erst entpackt und auf Viren überprüft werden. Installierte Entpackungsprogramme sollten so konfiguriert sein, dass zu entpackende Dateien nicht automatisch gestartet werden.

Virenschutz-Programme
Wichtig auch für private Rechner ist ein aktuelles Virenprogramm, dass die gängisten Viren, Trojaner und Würmer erkennt und sicher vom System entfernt. Zwar kann es sein, dass sich ein Schädling schneller verbreitet, als die Virenschutz-Anbieter ein Update zur Verfügung haben, jedoch ist mittlerweile die Reaktionszeit so hoch, dass Ihnen bei der Verwendung eines solchen Schutzprogramms kaum etwas passieren kann. Gute Virenschutzprogramme müssen nicht teuer sein, gerade für private Nutzer sind sie oft kostenlos oder sehr günstig verfügbar.
Einen Test unterschiedlicher Virenscanner finden Sie » hier

Zum Schutz vor Hackern und Trojanerangriffen dient eine Firewall. Hier gibt es eine gute, kostenlose Lösung, die zudem leicht zu bedienen ist: ZoneAlarm - sofort nach der Installation ist Ihr Rechner geschützt, ohne weitere Einstellungen machen zu müssen.
» Weitere Informationen zu ZoneAlarm

Einstellungen in Programmen
E-Mail-Programme wie Outlook oder auch Netscape Messenger erlauben es, ausführbaren Programmcode in die Nachricht einzubauen. Diese Funktionen sollten Sie ausschalten bzw. mit einer "Eingabeaufforderung" versehen, sodass Sie von Fall zu Fall entscheiden können. Sind Sicherheitslücken in Programmen vorhanden, werden oft vom Hersteller direkt Lösungen angeboten. Jedoch müssen Sie als Nutzer aktiv werden und stets die aktuellen Updates downloaden und installieren, wie z.B. die Service-Packs von Microsoft.
Alle vorhandenen Sicherheitsfunktionen des Rechners aktivieren (Passwort-Schutz, Bildschirmschoner mit Passwort, etc.), damit während der Abwesenheit des berechtigten Benutzers Unbefugte keine Möglichkeit haben, durch unbedachte oder gewollte Handlungen den Rechner zu gefährden.
Aktuelles Viren-Schutzprogramm mit aktuellen Signatur-Dateien einsetzen, das im Hintergrund läuft (resident) und bei bekannten Computer-Viren Alarm schlägt.

Im Microsoft Explorer sollte die Anzeige aller Dateitypen aktiviert sein.

Makro-Virenschutz von Anwendungsprogrammen (WinWord, Excel, Powerpoint, etc.) aktivieren und Warnmeldungen beachten.

Sicherheitseinstellungen von Internet-Browsern auf höchste Stufe einstellen (Deaktivieren von aktiven Inhalten (ActiveX, Java, JavaScript) und Skript-Sprachen (z.B. Visual Basic Script, VBS), etc.).

Keine Applikationsverknüpfung für Anwendungen mit potentiell aktivem Code (MS-Office) im Browser nutzen oder Anwendungen über Internet aktivieren.

Sicherheitseinstellungen (ECL) bei Lotus Notes bearbeiten und das Ausführen von "gespeicherten Masken" per Datenbank unterbinden.



 

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